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Ein Atelierbesuch bei Günther Uecker in Düsseldorf am Rheinufer / Auszug

Wer in Günther Ueckers Atelier in der Kaistraße in Düsseldorf direkt am Rhein kommt, tritt in eine andere Welt. In Ueckers Welt. „Mein Wohnzimmer“, dröhnt er mit sonorem Bass und weist mit umgreifender Geste in die Tiefen des 400 Quadratmeter großen Raumes. Der Blick schweift über Tische und viele Stühle, einen Paravent und ein großes Bett mit Vorhängen rundum, Uecker nennt es sein Tagbett. Auf ihm liegt ein Schlafanzug aus einem Stoff wie Reispapier. Daneben steht ein Stuhl aus Rajasthan. Und rundum diese weißleinenen Vorhänge. „Das ist wie unter Mutters Rock“, dröhnt der Künstler und schmunzelt. Geschlafen hat er hier noch nie.

Und überall Bilder, Bilder, Bilder. In Rahmen, ungerahmt auf dem Boden liegend, sich auf Stühlen stapelnd… „Da, wo die Sprache versagt, beginnt das Bild“, lautet ein Satz des Avantgardisten, der seine vielen Reisen in Bildern festhält. Er nennt sie seine Tagebücher. Bildertagebücher. Uecker – ein Mann des Bildes und der Sprache. Auf dem großen runden Tisch finden sich Bilder mit dem Dalai Lama, den er nach dessen Flucht aus Tibet einst in Nepal traf, Bühnenbildentwürfe für die Inszenierung von Beehovens Fidelio 1974 in Bremen, für den Lohengrin 1979 in Bayreuth und immer wieder Zeugnisse seiner politischen Arbeit. Natürlich auch Ausgaben der „Uecker Zeitung“ aus den 70ern.

Uecker ist durch seine Nagelbilder berühmt geworden. „Doch ist ihm, in diesem Jahr 85, die Kraft für die Nagelstücke abhanden gekommen? Kaum, er ist lebendig wie ein 60-Jähriger. „Je älter ich werde, umso sprachfähiger werde ich. Aber auch ein Künstlervernichter“, sagt er nachdenklich. Und dann wieder schallend lachend: „Das ist kreativer Suizid.“
1930 ist Günther Uecker in Wendorf bei Schwerin geboren. Seine Kindheit verlebt er mit den Eltern auf der Halbinsel Wustrow. Sie machen sich dort Land urbar. „Ich bin ein einfacher Bauernjunge“, sagt er und stapelt kräftig tief. Nach der Wende die erste Ausstellung 1992/93 im Staatlichen Museum in Schwerin. Dort, wo jetzt ein Museum für zeitgenössische Kunst gebaut wird. Ein Museum der Moderne.
Der Ueckerbau, wie es im Volksmund heißt, was Günther Uecker aber gar nicht gerne hört. „Das Ziel der Sehnsucht ist die Heimkehr“, sagt Uecker…

Bericht: SVZ.de vom 08.03.2015, Max-Stefan Koslik